| Trauerrede für Herrn Schützner |
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| Geschrieben von: O. Fischer |
| Freitag, den 30. Juli 2010 um 16:16 Uhr |
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Sehr geehrte Frau Schützner, sehr geehrte Trauerfamilie Schützner, liebe Trauergemeinde, Seit Donnerstag letzter Woche ist Ernst Schützner nicht mehr unter uns. Wir können es nicht begreifen und werden es wohl auch nie! An der Tür des Lehrerzimmers 37 hängt ein Zettel, von ihm unterschrieben, auf dem er die Fach- und Klassenlehrer auf die rechtzeitige Bücherrückgabe hinweist. Wir kannten diese Zettel gut, sie waren uns vertraut über viele Jahre hinweg. Dass der Adressant jetzt nicht mehr wartet, können wir noch nicht so richtig glauben. Über Herrn Schützner Gutes zu sagen, fällt mir leicht, denn er war ein guter Mensch, ein seelenguter Mensch! Vielleicht ein wenig zu gut für den Schulbetrieb, in dem es härter geworden ist! Denn längst fordern nicht nur die Lehrer von den Schülern Leistung, sondern auch die Schüler und Eltern fordern von den Lehrern Einsatz und Engagement, damit die Noten stimmen, damit der ideale Notenschnitt erreicht wird, um fit zu sein für den Konkurrenzkampf weltweit. Für Herrn Schützner, der sensibel und verletzbar war, war es manchmal schwer zu ertragen. Wenn er kritisiert wurde, reagierte er mit noch mehr Einsatz, versuchte, Hilfestellungen zu geben, Lösungsblätter zu liefern, immer um bestmögliche Unterstützung bemüht. Er war ein pflichtbewusster Mensch, keine Arbeit war ihm zu viel, für nichts war er sich zu schade. Oberstudienrat Ernst Schützner war über 33 Jahre Lehrer für Mathematik und Physik am Leibniz-Gymnasium in Stuttgart-Feuerbach. Er gehörte, wie man so schön sagt, zum Inventar unserer Schule. Am 1. Januar 1977 tritt er den zweiten Abschn itt des Referendariats in unserer Schule an. Im August desselben Jahres wurde er bereits als Lehrer an das Leibniz übernommen. Über die vielen Jahre hinweg unternahm er oft Klassenfahrten und führte verantwortlich Schullandheimaufenthalte durch. Er war Mitglied im Schulchor, des Personalrats und auch der Schulkonferenz. Bei Schulfesten packte er unaufgefordert an, übernahm manchen Dienst ohne nach der Entlohnung zu fragen. Über viele Jahre betreute er die Lernmittelsammlung der Schule mit Akribie und Sorgfalt. Er sorgte dafür, dass die Lehrbücher zu Schuljahresbeginn bereit standen. Man konnte sich hundertprozentig auf ihn verlassen. Er pflegte und reparierte Bücher eigenständig, bat allzu große Verschmutzer zur Kasse. Dadurch, dass er, wie man so schön sagt, so hinterher war, wurde die Lernmittelsammlung die Sparkasse unserer Schule. Wenn dann mal - und das kam in den letzten Jahren häufiger vor - ein Schulbuch auf den Markt kam, das von Einband und Konsistenz her das Geld nicht wert war, machte er mich sofort darauf aufmerksam, dass ein solches Buch keine vier oder fünf Jahre in Schülerhänden überstehen würde, wie es eigentlich bei ihm unter seiner Obhut die Regel war. Ich habe ich mich gern mit ihm unterhalten, ja, ich gebe es zu, auch unterhalten lassen. Wenn er in meinem Dienstzimmer saß und mich auf eine imaginäre Reise in seinen Tafelanschrieb oder den eines Schülers in einer Mathematikstunde mitnahm, dann lehnte ich mich innerlich zurück und genoss - weil ich auch dem Problem nicht mehr folgen konnte - seine Gestik und Mimik. Seine Handbewegungen waren seinen Worten immer ein wenig voraus, die Augen leuchteten. In seinem Gesicht waren eine sprühende Lebhaftigkeit und eine Begeisterung für die Sache zu erkennen, die ich bewunderte. Erst sein entrüstetes „Und dann teilt er durch Null!“ holte mich in seine Realität zurück. Vor zweieinhalb Wochen meldete sich Herr Schützner nach einer längeren Erkrankung und einem Kuraufenthalt nach zwei Monaten sich bei mir wieder zurück. Ich spürte, dass er sich verändert hatte. Letzte Woche kam er in zurück in Schule zurück. Viele Kolleginnen und Kollegen begrüßten ihn freudig. Eine fünfte Klasse, in der er Mathematik unterrichtete, klatschte spontan Beifall, als er bei ihnen kurz auftauchte. Er war pflichtbewusst und hilfsbereit bis zum Schluss, übernahm Aufgaben, die er nicht hätte übernehmen müssen. So unterhielten wir uns über seine Erfahrungen in der Hausaufgabenbetreuung im nun vergangenen Schuljahr. Er hatte diese Aufgabe übernommen und konnte sie nur zeitweilig in der Schule umsetzen. Für eine große Zeitspanne unterrichtete er dafür einen krank gewordenen Jungen in dessen Elternhaus. Dieser Junge hat sich heute Morgen im Gedenkgottesdienst der Schule rührend bei Herrn Schützner bedankt. Und als ich ihm berichtete, dass ich diese Hausaufgabenbetreuung gerne fortsetzen würde, aber niemanden dafür habe, erklärte er sich bereit, diese zu übernehmen. Auch der Hinweis von mir, dass ich dies von ihm nicht erwarten könne, weil ich sie nur als Überstunde vergelten könnte, ließ ihn nicht von seinem gegebenen Wort abbringen. Diese Begegnungen mit ihm werden uns fehlen, wie der Mensch Ernst Schützner der ganzen Schule fehlen wird. Herr Schützner war ein Sinnbild für Menschlichkeit in der Schule. Er war beliebt für seine Hilfsbereitschaft imi Kollegium wie in der Schülerschaft. Wir, die ganze Schulgemeinde des Leibniz-Gymnasiums, sind ihm zu großen Dank verpflichtet und wir werden ihn nicht vergessen. Möge er nun den ewigen Frieden genießen! |
| Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 30. Juli 2010 um 16:23 Uhr |


