Eine Institution geht in den Ruhestand

Am 15. März 2018 wurde Herr Winkler in den Ruhestand verabschiedet. Herr Fischer würdigte vor den versammelten Lehrern sein Wirken. Mit 24 Jahren und 11 Monaten war er mit Abstand die dienstälteste aktive Person in dieser Schule. Herr Winkler wurde am 1. Mai 1992 zum Hausmeister am Leibniz-Gymnasium ernannt. Seine offizielle Dienstbezeichnung ist "Stadtbetriebshauptwart". Als gelernter Schreiner brachte er die notwendigen und nützlichen Kompetenzen für diese Stelle mit.

In seinen Anfangszeiten war vieles noch anders. Zum Beispiel hatte er einen Vertrag mit seiner Frau, die seine Vertretung war. Er besaß außerdem den Status eines Kleinunternehmers. In dieser Funktion führte er mit SchülerInnen und einem „Frauengeschwader“, wie er es nannte, den alljährlichen Großputz durch.

Dass Hausmeister mächtige Herrscher sein können, hat er oft bewiesen. Rein formal hatte er das Hausrecht, wenn die Schulleitung nicht anwesend war. In seinen Anfangszeiten hat er sich öfters schriftlich an die SchülerInnen gewandt. Meistens ging es dabei um den schulischen Hausmeister-Dreiklang: Aufstuhlen – Fenster schließen – Licht ausmachen. In einem ersten handschriftlichen Dokument, in schönster Schrift verfasst, machte er den Schülern folgende Rechnung auf:

Es sind prinzipiell 3 bis 4 Klappfenster und 2 bis 3 normale Fenster offen. Bei ca. 42 Zimmer ergibt das ca. 200 bis 240 offene Fenster, welche ich schließen muß, und das Tag für Tag.

Der Brief endet noch freundlich:

„Ich bedanke mich im Voraus bei jedem einzelnen, der mithilft, das Ziel zu erreichen und grüße zum Schluss alle recht freundlich. Winkler“

Dreieinhalb Jahre später geht es in einem Schreiben wieder um AFL: Dieses Mal allerdings mit einer Steigerung.

„Bei ca. 50 Zimmer muß ich jeden Tag 4 bis 5 Fenster schließen, macht 250 bis 300 Fenster." Die Zimmer- und Fensterzahl wurde gesteigert und anstelle des Wunsches wurden mögliche Konsequenzen aufgezeigt: „Bei mir ist jetzt der Punkt erreicht, an dem ich die Nase voll habe. Der Kaffeeautomat beschäftigt mich ca. 4 bis 6 Stunden in der Woche, das darf dann jemand von euch übernehmen.“ Der Schluss lautet dann nur noch: „Mit Grüßen euer Hausmeister“

Er hat sich aber dennoch gutmütig in sein Schicksal gefügt und über die vielen Jahre die Vergesslichkeiten von LehrerInnen, SchülerInnen und auch Schulleitern beseitigt.

Herr Fischer bedankte sich im Namen der Schulgemeinde für sein langjähriges Engagement als Hausmeister des Leibniz-Gymnasiums. Es hat keinen gegeben, der den Bonatzbau besser gekannt hat als er.

Als Geschenk überreichte Herr Fischer ihm ein Buch über die Bauten von Paul Bonatz in Süddeutschland.

Herr Winkler hat übrigens seinen Ruhesitz in der Nähe der Schule ausgesucht mit Blick auf seine ehemalige Arbeitsstätte.

Herr Fischer wünschte ihm im Namen der gesamten Schulgemeinde alles Gute für seinen Ruhestand.